Nagelerkrankungen behandeln

Der Nagel ist ein wichtiges Anhangsgebilde unseres Körpers. Neben vielen dem Nagel eigenen Erkrankungen spiegelt der Nagel auch Mangelzustände wider. Dieser Artikel gibt Dir Aufschluss über die wichtigsten Nagelerkrankungen, wie sie sich äußern und wie sie behandelt werden. Namentlich geht es um Nagelpilz, Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte), Brüchige Nägel, Mangelzustände (insbesondere von Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralien) und systemische Erkrankungen wie Erkrankungen der Leber, Lunge, Schilddrüse, Niere oder des Darms.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Nagelpilz wird durch Hefepilze ausgelöst

  2. Hefepilze sind der häufigste Erreger von Nagelpilz, jedoch kommen auch andere Erreger in Betracht

  3. Unterschiedliche Erreger reagieren auch auf unterschiedliche Arzneimittel sensibel. Daher ist es wichtig, den Erreger zu identifizieren.

  4. Die Behandlung der Schuppenflechte ist komplex und gehört in die Hände von Experten.

  5. Bei brüchigen Nägeln muss man die Ursache festzustellen. Liegt ein Mangel vor, sollte dieser behoben werden - ggf. auch durch Nahrungsergänzungsmittel.

Welche wichtigen Nagelerkrankungen gibt es?


Nagelpilz

Die häufigste originäre Nagelerkrankung ist der Nagelpilz, d.h. eine Pilzinfektion des Nagel, die meist durch sog. Dermatophyten (Hefepilze) ausgelöst wird. Neben der weißlich-gelblichen Verfärbungen, kann die Struktur des Nagels zerstört werden. Der Nagel wird dick und brüchig. Nagelpilz tritt häufiger an den Füßen als an den Händen auf. Die typische Stelle ist vorne außen (medizinisch distolateral). Einen ausführlichen Artikel zu Nagelpilz findest Du hier.


Schuppenflechte

Die Schuppenflechte (Fachbegriff Psoriasis vulgaris) ist eine Autoimmunerkrankung, d.h. der Körper erkennt die eigenen Zellen als fremd an und greift diese an. In etwa 50% der Fälle sind auch die Nägel betroffen. Neben einigen für die Psoriasis typischen Phänomenen wie dem Phänomen des letzten Häutchen, dem Auspitz-Phänomen oder dem Kerzenwachs-Phänomen treten auch sog. Tüpfelnägel auf. Bei den Tüpfelnägeln finden sich kleine trichterförmige Einziehungen auf der Nagelplatte. Hinzu kommen sog. Ölflecken. Ölflecken sind gut abgrenzbare gelbliche bis bräunliche Verfärbungen der Nagelplatte. Trotz der für die Psoriasis typischen Zeichen wird die Psoriasis häufig mit Nagelpilz verwechselt. Die Therapie der beiden ist grundsätzlich unterschiedlich. Für eine erfolgreiche Therapie - egal ob Nagelpilz oder Schuppenflechte - ist eine korrekte Diagnose daher unerlässlich.


Brüchige Nägel

Brüchige Nägel sind sehr weit verbreitet und meist Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung. In der Rubrik Nagelwissen sind wir bereits ausführlich auf verschiede Ursachen eingegangen. Dazu zählen einerseits Vitaminmangel, Eiweißmangel oder Mineralstoffmangel wie beispielsweise ein Eisenmangel. Eiweiß ist gewissermaßen der Grundbaustein für den Nagel. Steht nicht genügend Eiweiß zur Verfügung, kann der Nagel auch nicht richtig gebildet werden. Der Tagesbedarf an Eiweiß liegt bei 1 - 1,5g/kg Körpergewicht. Bei Sportlern ist Bedarf höher. Doch auch andere Stoffe wie Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E oder Calcium, Kupfer oder Zink sind für Bildung eines gesunden Nagels wichtig. Genaue Informationen einschließlich der empfohlenen Tagesdosen findest Du in den verlinkten Artikeln. Klick dazu einfach auf die Begriffe Vitaminmangel, Eiweißmangel oder Mineralstoffmangel.

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Nagelpilz mit gelblich-weißlicher Verfärbung am Zeh

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Nagelpsoriasis mit Tüpfel (Grübchen) am Zeh

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Brüchiger Nagel (Onychorrhexie) am Daumen

Wie äußern sich Nagelerkrankungen?

Wie bereits oben erwähnt gibt das Aussehen der Nägel Hinweise auf verschiedene Erkrankungen. Diese Liste gibt einen ersten Anhalt auf zugrunde liegende Erkrankungen, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Diabetes (Milchglasnagel – weiße, trübe Verfärbung, Splitterblutungen und Onycholyse)

  • Eisenmangel (brüchige Nägel oder Löffelnägel – mittig angesetzte Mulde im Nagel)

  • Zinkmangel (Beau-Linien – quer zum Finger liegende Furchen/Rillen, die sich über die gesamte Breite des Nagels erstrecken)

  • Vitamin-A-Mangel (Hapalonychie/Weiche Nägel)

  • Vitamin-B3-Mangel (Hohlnagel)

  • Vitamin-B6-Mangel (Hapalonychie/Weiche Nägel)

  • Vitamin-B7-Mangel (Nageldystrophie)

  • Vitamin-B12-Mangel (longitudinale Melanonychie/bräunliche Verfärbung des Nagels)

  • Vitamin-C-Mangel (Splinterhämorrhagien/Splitterblutungen)

  • Vitamin-D-Mangel (Hapalonychie/Weiche Nägel)

  • Vitamin-E-Mangel (Yellow-Nail-Syndrom)

  • Lungenerkrankung (Tumore), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Herzerkrankungen (Splinterhämorrhagien/Splitterblutungen, aber auch Uhrglasnägel in Folge einer chronischen Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff)

  • Lebererkrankungen, akute Entzündungen und mangelnder Ernährung (Muehrcke Linien)

  • Schilddrüsenentzündung (Yellow-Nail-Syndrom – verdickte Nägel mit einer gelblichen Verfärbung)

  • Schilddrüsenüberfunktion (weiße Stellen, Splitterblutungen, aber auch eine Onycholysis – Ablösung des Nagels vom Nagelbett)

  • Nierenerkrankungen (Lindsay-Nägel – weißer Bereich mit pink-rötlich-braunem Rand, Muehrcke Linien – weiße Linien auf dem Nagel, die unter Druck verschwinden)


Dellen im Fingernagel

Neben den brüchigen Nägeln haben viele Menschen Dellen oder einen Knick im Nagel. Dazu können auch Grübchen, Kerben, Quer- oder Längsfurchen, Spalten und Rillen gehören. Ist der Nageldefekt besonders ausgeprägt, spricht man von Löffelnägeln (Koilonychie, bzw. Napfnagel oder Eierschalennagel*).* Bei Hohlnägel ist die Nagelplatte oft glatter als beim gesunden Nagel. Die Ursachen für diese Dellen sind vielfältig. Sie umfassen u.a. Eisenmangel, Vitaminmangel, Nagelpilz und Psoriasis (Tüpfelnägel). Somit ist es wenig überraschend, dass die Hohlnägel auch brüchig werden.

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Wie werden die Nagelerkrankungen behandelt?

Die Therapie greift nach Möglichkeit an der zugrunde liegenden Ursache.


Nagelpilz

Zwar sind Dermatophyten die häufigsten Erreger von Nagelpilz, jedoch kommen auch andere Erreger in Betracht. Die unterschiedlichen Erreger reagieren auch auf unterschiedliche Arzneimittel (sog. Antimykotika) sensibel. Daher ist es wichtig, den Erreger zu identifizieren, um zielgerichtet angreifen zu können und möglich schnell Erfolge zu erzielen. Nichtsdestotrotz müssen Betroffene viel Geduld mitbringen, da Nägel mit etwa 0,7mm/Woche nur sehr langsam wachsen. Eine hohe Therapietreue ist für die erfolgreiche Bekämpfung des Nagelpilzes ebenso wichtig. Besonders wirksam sind sog. orale Antimykotika (Tabletten). Diese können durch lokale Lacke wie Canesten® (Wirkstoff: Clotrimazol) oder Loceryl® (Wirkstoff: Amorolfin) ergänzt werden.


Psoriasis

Die Behandlung der Schuppenflechte richtet sich nach einem komplexen Stufenschema und gehört in die Hände von Experten. Das gilt insbesondere für die Nagel-Psoriasis. Da die Schuppenflechte als Autoimmunerkrankung nach heutigem Stand nicht heilbar ist, ist das Ziel der Therapie eine Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität. Die Basistherapie beinhaltet eine gute Hautpflege bestehend Harnstoff + Salicylsäure und rückfettenden Cremes zur lokalen Therapie. Darüber hinaus werden Cortisolpräparate verschiedener Dosierungen verwendet. Bei schwereren Verläufen kommen Calcineurin-Inhibitoren (z.B. Tacrolimus), Vitamin-D-Analoga (z.B: Calcipotriol), synthetische Teerderivate (z.B. Dithranol) oder Vitamin-A-Analoga (z.B. Tazaroten) zum Einsatz. Bei schweren Verläufen kommen noch Retinoide, Immunsuppressiva wie Methotrexat und Biologicals zum Einsatz. Zur weiteren Unterstützung kann man eine sog. Phototherapie mit UV-A oder UV-B-Strahlen durchführen.

Bei der Nagel-Psoriasis gilt es, allgemein mechanische Irritation zu vermeiden. Das bedeutet:

  • Nägel kurz halten

  • lockeres Schuhwerk tragen mit breiter Zehenbox (z.B. Barfußschuhe. Mittlerweile gibt es auch salonfähige Designs)

  • Maniküre

  • Überwuchernde Nägel durch medizinische Fußpflege behandeln lassen

Weitere therapeutische Maßnahmen sind ebenso wie bei der Psoriasis vulgaris ein Fall für Profis.


Brüchige Nägel

Zur Behandlung von brüchigen Nägeln gilt es zunächst die Ursache festzustellen. Liegt ein Mangel vor, sollte dieser behoben werden - ggf. auch durch Nahrungsergänzungsmittel.

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Author: Simon Shabo, Arzt

Simon Shabo ist Arzt mit klinischem Training in der Dermatologie und Radiologie.