Nagelbettentzündung an Finger und Zeh: Symptome und Ursachen erkennen

Schmerzen, Rötung und sogar blutige Wunden am Nagel. Häufig handelt es sich hierbei um eine Nagelbettinfektion. Diese häufige Nagelerkrankung macht ca. 30% der Hand und Fußinfektionen aus und ist besonders durch starke Schmerzen bei Betroffenen gekennzeichnet. Die Auslöser sind Bakterien, Viren oder Pilze, begünstigt durch ständige Nässe, falsches Schuhwerk oder Verletzungen and Zehen- und Fingernägeln. Es ist wichtig, den Auslöser für die Nagelbettinfektion zu identifizieren und bereits bei einer akuten Infektion zu behandeln. Die ärztliche Behandlung ist bei der chronischen Nagelbettentzündung unumgänglich.

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Nagelbettentzündungen sind schmerzhafte Infektionen, die extrem häufig sind

  2. Bei akuter Nagelbettenzündung ist die Haut gerötet und geschwollen und es tritt ein pochender Schmerz auf

  3. Nach über 6 Wochen spricht man von einer chronischen Nagelbettentzündung, die durch eitrige Wunden gekennzeichnet ist

  4. Der eingewachsene Nagel (Onychocryptosis) ist ein häufiger Auslöser für wiederkehrende Nagelbettinfektionen

  5. Eine Nagelbettinfektion ist nicht zu unterschätzen und es sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, wenn keine Verbesserung nach 3 Tagen ersichtlich ist

Was ist eine Nagelbettentzündung und wie häufig kommt sie vor?

Die Nagelbettentzündung auch Paronychie (griechisch para: „neben“, onychos: „Finger–, Fußnagel“) genant ist eine entzündliche Infektion der Finger oder Zehennägel. Betroffen sind das Nagelbett und der Nagelwall.

Das Nagelbett ist der empfindliche Bereich direkt unter der Nagelplatte. Der Nagelwall ist der seitliche Rand des Nagels, der beim eingewachsenen Nagel unter das Fleisch wächst. Die Nagelbettentzündung ist eine der häufigsten Nagelerkrankungen der Finger und Zehen und macht ca. 30% der Handinfektionen aus. Frauen sind 3 mal häufiger betroffen als Männer. Medizinisch unterscheidet man zwischen akuter (kurzweiliger) und chronischer (lange andauernder) Nagelbettentzündung. Da die akute Nagelbettentzündung meist durch akute äußere Reize ausgelöst wird, ist meistens nur ein Nagel betroffen. Wenn diese akute Entzündung nicht behandelt wird kann sie chronisch werden und eitrige Wunden auslösen. Manche Menschen bestimmter Berufsgruppen (z.B. Gesundheitsberufe und Handwerker) sind beruflich einer ständigen Reizung der Finger- und Fußnägel ausgesetzt, wodurch die physikalische Barriere der Haut geschwächt wird. Infolgedessen können Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze leichter durch die Haut in den Körper eindringen. Da sich diese ständige Reizung und Schwächung der Hautbarriere auf die gesamten Hände oder Füße auswirkt, können auch mehrere Nägel von der Entzündung betroffen sein. Insbesondere bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem, wie z.B. Diabetikern, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen, da diese durch Nervenschäden (medizinisch: diabetische Neuropathie) ein Taubheitsgefühl entwickeln und somit keine Schmerzen im Fuß empfinden. Es können sich Geschwüre (medizinisch: Ulcera) oder Weichteilinfektionen (medizinisch: Phlegmone) bilden, die durch das Taubheitsgefühl in den Füßen lange unentdeckt bleibt. Breiten sich die Krankheitserreger aus, kann es zu einer sog. Sepsis kommen. Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand mit Organversagen und einer außer Kontrolle geratenen Immunantwort. Dieser Zustand muss so schnell wie möglich der lebensbedrohlichen Situation angemessen behandelt werden.

Wie erkenne ich eine Nagelbettentzündung?

Nagelbettentzündungen beginnen meist einen schleichender Beginn. Es kommt zu einer rötlich-entzündlichen Verfärbung des Nagels und der umliegenden hat. Es kann ein leichter bis mittlerer Juckreiz auftretet und meistens sind die betroffnen Nägel senothr schmerzempfindlich. Besonders bei Druck auf die betroffene Stelle kann es zu Schmerzen kommen. Da auch Blutgefäße betroffen sind ist der Schmerz meist pochend. Die Haut ist gespannt und geschwollen und wirkt meist glänzend. Wenn nichts unternommen wir kann es potentiell zur Entwicklung einer chronischen Nagelbettentzündung kommen. Die chronische Form ist gekennzeichnet durch gelblichen oder weißlichen Eiter mit starken Schmerzen, die auch über den Nagel, bis in Finger und Zeh, hinaus gehen können. Im späteren Verlauf kann die Verfärbung auch bräunlich-schwarz werden.

Aufbau des Nagels

Nagelbettentzündungen betreffen vor allem den Nagelwall

Was sind die Ursachen einer Nagelbettentzündung?

Die Nagelbettentzündung ist eine Infektion und kann durch Bakterien (häufigster Erreger: Staphylococcus areus), Viren (z.B. Herpesviren) oder Pilze (z.B. Hefepilze) ausgelöst werden. Am häufigsten werden Nagelbettentzündungen durch Bakterien ausgelöst, allen voran Staphylococcus areus. Im Grunde hat die Infektion durch alle Erreger eine ähnliche Wirkung auf die Haut und den Nagel: Die Schutzbarriere ist gestört. Auch andere Nagelerkrankungen wie z.B. Neurodermitis, Schuppenflechte (Psoriasis) und der Nagelpilz (Onychomykose) können Auslöser für Nagelbettentzündungen sein. Hinzu kommen physikalische Reize wie Nagelkauen (bei Kindern kann die Entzündung durch häufiges Fingernuckeln ausgelöst werden), zu enges Schuhwerk (Quetschung und Reibung an Zehen) oder andere Verletzungen (z.B. durch Scherben) oder Verätzungen der Nägel durch starke Chemikalien oder wiederholte und ständige Feuchtigkeit.

Menschen, die täglich durch den Beruf in Kontakt mit Feuchtigkeit und starken Reinigungsmitteln kommen (z.B. in der Gastronomie) sind häufiger von einer Nagelbettentzündung betroffen. Nicht zu unterschätzen ist das Tragen von zu engem Schuhwerk, wie in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Neben Reibungen und Reizungen kann dadurch langfristig das Nagelwachstum krankhaft verändert werden und die Nägel deformieren. Eine häufige Form sind die eingewachsenen Nägel, bei denen meist der seitliche Nagelwall des großen Zehs in das Fleisch wächst und somit eine immer wiederkehrende Entzündung auslösen kann. Diese wird dann immer wieder Auslöser für akute oder chronische Nagelbettentzündungen, da sich das Nagelwachstum langfristig verändert. Es sollte zur Vorbeugung von Nagelbettentzündungen also unbedingt auf das richtige Schuhwerk mit ausreichend breiter und langer Zehenbox geachtet werden. Wie bei anderen Nagelerkrankungen sind meistens Sportler (wie Fussballer oder Bergsteiger) betroffen, da diese häufig durch enges Schuhwerk, ständigen und starken Druck auf die Nägel auswirken.

Auch starke und reizende Maniküren und Pediküren können diese Entzündungen auslösen, da die Nagelfalz (Haut am Ansatz des Nagels) unter Umständen zu weit nach hinten geschoben wird, um den Nagel freizulegen. In manchen Fällen - je nach Qualität des Nagelstudios - kann unzureichend sterilisiertes Nagelwerkzeug eine Entzündung begünstigen. Auch zu Hause kann falsches Schneiden und eine falsche Nagelpflege eine Nagelbettentzündung begünstigen.

Zusätzlich können andere Medikamente, die bei Hauterkrankungen eingesetzt werden (z.B. Retinoide bei Akne), Auslöser für Entzündungen sein.

Hast Du Nagelprobleme?

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Wie unterscheide ich eine Nagelbettentzündung von anderen Nagelerkrankungen?

Die Nagelbettentzündung kann verschiedene Auslöser haben. Rein äußerlich sind diese Auslöser schwer voneinander zu unterscheiden. Andere ähnliche Erkrankungsformen sind:

  • Phlegmone - Entzündung mit Rötung durch Bakterien unter der Haut. Die Erreger sind meist dieselben, die auch die Nagelbettentzündung auslösen. Betroffen sind hier aber nicht nur Nägel, sondern ganze Hautareale

  • Herpes-Infektion des Finger - Herpesviren können auch Auslöser einer Infektion am Finger sein. Hier kommt es häufig zu jucken und brennen bevor schmerzen einsetzen.

  • Nagelpilz - Dies ist eine Pilzinfektion des Nagels, die eine weißlich-gelbliche Verfärbung verursacht. Wenn sie mehrere Nägel betrifft und bereits lange vorliegt, muss sie behandelt werden und erfordert eine systemische Behandlung (z.B. mit Tabletten). Eine lokale Behandlung mit einer Salbe oder Lack reicht dann nicht aus.

  • Nagelpsoriasis - Schuppenflechte kann auch die Finger- und Zehennägel betreffen. Sie kann eine Verdickung der Nägel mit Grübchen, Rillen, unregelmäßigen Konturen und sogar ein Abheben des Nagels vom Nagelbett verursachen.

  • Nagelkrebs (Plattenepithelkarzinom) - Das Plattenepithelkarzinom ist hauptsächlich eine Krebserkrankung der Haut, kann aber auch das Nagelbett befallen. Es handelt sich um einen seltenen bösartigen subungualen Tumor, der häufig mit einer chronischen Nagelbettentzündung verwechselt wird und somit fehldiagnostiziert wird.

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Leichte Nagelbettentzündung am großen Zeh

Rotliche-bräunliche Verfärbung, Schwellung

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Wie lange dauert eine Nagelbettentzündung an?

Eine akute Nagelbettentzüdung verläuft meist leicht wenn sie schnell behandelt wird und ist meistens bereits nach wenigen Tagen verschwunden. Da aber nicht immer direkt etwas unternommen wird, spricht man im Durchschnitt von einer Dauer der Entzündung von 5-10 Tagen. Es kann einen Unterschied zwischen der Entzündungsdauer von Finger und Zeh geben, da es grundsätzlich schwerer ist, den Zeh von Druckbelastungen zu schonen.


Eine Nagelbettentzündung kann mehrere Wochen anhalten. Bei einer Dauer von weniger als 6 Wochen spricht man von einer akuten und bei einer Dauer von über 6 Wochen von einer chronischen Nagelbettentzündung. Bei schweren Fällen sind ggf. operative Eingriffe. Die Ausheilung nach der Operation kann sich bis zu 4 Wochen hinziehen.

Helfen Hausmittel oder Salben aus der Drogerie bei der Behandlung einer Nagelbettentzündung?

Bei leichten, akuten Fällen ist zunächst eine Selbstbehandlung möglich. Man sollte die Wunde grundsätzlich desinfizieren z.B. mit Kernsteifen und 10-15 min. Kamillenbädern. Wenn sich nach spätestens drei Tagen keine Besserung einstellt, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Hausärzte können helfen, die Infektion zu behandeln. Meistens helfen antibiotische Salben, aber auch desinfizierende Lösungen und Cremes mit Jod werden verwendet. Zeigt die Behanldung mit Salben bei einer chronischen Nagelbettentzüdung keine Wirkung, ist eine operative Therapie in Erwägung zu ziehen. Es gilt hier auch den Auslöser zu identifizieren.

Was passiert wenn man eine Nagelbettentzündung nicht behandelt?

Die Nagelbettentzündung wird wie viele Nagelerkrankungen häufig unterschätzt, obwohl sie weit verbreitet in unserer Gesellschaft ist. Ärztlicher Rat ist in schweren bzw. akuten Fällen unumgänglich. Wenn die Nagelbettentzündung nicht behandelt wird, kann es zu irreversiblen Wachstumsstörungen des Nagels (Nageldystrophie) kommen. Bei Patienten mit schwachem Immunsystem wie Diabetikern, HIV-Patienten oder anderen schweren chronischen Erkrankungen besteht ein Risiko für eine Superinfektion, da die Hautbarriere geschwächt ist und einen Eintrittsort für Krankheitserreger darstellt. Meisten haben diese Patienten auch ein vermindertes Schmerzgefühl im Fuß und Zeh (Polyneuropathie) und bemerken die Infektion nicht.

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Author: Simon Shabo, Arzt

Simon Shabo ist Arzt mit klinischem Training in der Dermatologie.